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Mein Einstieg in die Logistik

Ich bin Doriano Agner, mittlerweile 20 Jahre alt. Ich bin gelernter Logistiker & konnte meine Logistiker EBA Lehre sowie die Logistiker EFZ Lehre sehr gut abschliessen. Ich möchte euch gerne meinen Werdegang vorstellen.

Ich war von 2013 – 2016 in der Realschule (Sek C) in Emmenbrücke Gersag. Meine Faulheit sowie die «Game-Sucht» waren ein grosses Thema zu dieser Zeit. Die Schule war mir egal, weswegen ich auch entsprechende Noten dafür bekam. Auch eine Lehrstelle wollte ich nicht suchen. Ich war zu faul, um mich mit Lehrstellen zu befassen, da ich das Zocken bevorzugte. Mit meinen zehn Bewerbungen konnte ich keine Lehrstelle finden, somit kam ich mit 14 Jahren ins 10. Schuljahr, im Hubelmatt Luzern. Dort waren die ersten Prüfungen etwas einfacher und ich bekam gute Noten. Das hat mir eine riesige Freude bereitet, weil ich lange keine Note 6 mehr sah. Ich habe angefangen für die Prüfungen zu lernen und konnte meine Noten auf einem hohen Niveau halten. Die Schule hat mir angefangen Spass zu machen, denn wer hätte keine Freude an guten Noten in der Schule? Ich denke niemand.

Mit diesen positiven Erlebnissen fing ich früh an mich zu bewerben. Leider habe ich viele Absagen wegen meinen schlechten Noten bekommen sowie den schlechten Stellwerk-Bewertungen. Mein Umfeld dachte, dass meine Noten für die EFZ-Ausbildung nicht ausreichend seien. Aber nach einigen Bewerbungen konnte ich mich an diversen Orten vorstellen, sowie Schnupperlehren absolvieren. In diesen Schnupperlehren wurde mir bewusst, dass ich Logistiker lernen möchte, weil ich ein sehr ordentlicher Mensch bin.

Im November 2016 durfte ich mich bei der ewl (energie wasser luzern) vorstellen, sowie eine Schnupperlehre absolvieren. Ich konnte einen guten Eindruck hinterlassen und darauf hat mir die ewl eine Lehrstelle angeboten, welche ich sofort angenommen habe, da mir die Schnupperlehre sehr gefallen hat. Die Lehrstelle war allerdings eine Logistiker EBA Ausbildung, ich wollte diese trotzdem annehmen, da mir auch die Lehrpersonen vom 10. Schuljahr empfohlen hat, eine EBA Ausbildung zu absolvieren. Meine Mutter war etwas weniger überzeugt, da man sich mit dem EFZ doch besser weiterbilden kann. Sie wusste, es steckte mehr in mir als das EBA-Niveau, trotzdem wollte ich die Lehrstelle annehmen, da die ewl bei mir einen sehr sympathischen Eindruck gemacht hat. Beim Unterzeichnen des Lehrvertrages wurde mir angeboten, dass ich die EFZ-Ausbildung noch anschliessen kann, wenn ich gute Leistungen zeige. Dies sah ich als eine grosse Chance, weswegen ich vom ersten Tag bis zu Schluss immer mein Bestes gab, im Betrieb, sowie in der Berufsfachschule.

2017 begann also meine zwei jährige Grundbildung mit 15 Jahren, meine Noten aus dem 10. Schuljahr waren immer noch konstant gut. Mein Ziel war es von Beginn an, immer gute Noten zu schreiben, so dass diese für die EFZ-Ausbildung ausreichen. Nach ein paar Wochen änderte sich mein Ziel: ich wollte in jeder Prüfung eine 6 schreiben. Dies ist mir fast immer gelungen, da ich mir auch entsprechend Zeit genommen habe. Ich war auch bei einer 5.9 immer noch nicht zufrieden, da es keine 6 war. Diese Einstellung hat mir nicht nur in der Schule geholfen, dies hat mich auch in meinem privaten Leben motiviert, immer das Beste rauszuholen.

Anfangs 2019 habe ich mich für das Qualifikationsverfahren vorbereitet und hatte ein klares Ziel vor meinen Augen, die Ehrenmeldung. Für eine Ehrenmeldung braucht man mindestens eine 5.4 als Abschlussnote. Mit hoher Nervosität und Aufregung habe ich mit guter Vorbereitung das Qualifikationsverfahren absolviert. Nach fünf Wochen ungeduldigem Warten fand endlich die QV-Feier statt. Jeder bekam sein Zeugnis und alle haben direkt in das Zeugnis geschaut, ausser ich. Jeder aus der Klasse war neugierig, was ich für eine Note hatte, doch ich wollte noch nicht schauen. Meine Kollegen haben für mich geschaut und meinten: «Doriano, du hast keine Note?!» Nach kurzem Überlegen war mir klar, ich habe mein grosses Ziel erreicht. Einige Minuten später wurde ich separat auf die Bühne gerufen. Mir wurde dort die Note von 5.7 überreicht und ich war somit der beste Lehrabgänger 2019 im Kanton Luzern. Meine Freude kann ich bis jetzt immer noch nicht in Worte fassen. Der Applaus und die Gratulationen haben mich zu einem sehr glücklichen Menschen gemacht. Auch bei der ewl hatten alle Freude an meiner Note, sowie auch meine Familie und Freunde. Diesen Moment werde ich niemals in meinem Leben vergessen.

Mit 17 Jahren konnte ich nun meine EFZ-Ausbildung beginnen und im 2. Lehrjahr einsteigen. Mein Ziel hat sich nicht verändert: jede Note eine 6 sowie die Ehrenmeldung. Meine ersten zwei Prüfungen waren weniger gut, da ich mich noch an den Prüfungs- und Unterrichtsstil der Lehrpersonen gewöhnen musste, doch ab der 3. Prüfungen ging es wieder bergauf. Falls sich jemand für meine Lernstrategie interessiert: Lernkarten. Bei der EFZ-Ausbildung gibt es die Möglichkeit, sich Lernkarten zu kaufen, was ich jedem nur empfehlen kann. Diese kosten ca. 60 Franken, lohnen sich aber zu 100%. Es gibt auch eine App, die gratis ist und jede Lernkarte ist in der App. Jeder kennt es jedoch, man wird vom Smartphone schnell abgelenkt. Ausserdem kann man bei den gedruckten Lernkarten noch vieles hinzufügen. Falls du Logistiker lernst und mit den Lernkarten lernen möchtest, möchte ich dir einen wichtigen Tipp geben: Alleine mit den Lernkarten zu lernen ist weniger gut, da nicht alles von den Themen abgedeckt ist. Ich habe jede Frage aus den Arbeitsblättern hinzugefügt, die noch fehlte. Aus den alten Prüfungen habe ich noch Lernkarten geschrieben, sowie von den Büchern. Am Schluss hatte ich 1623 Lernkarten. Diese musste ich nur noch auswendig lernen und ich wusste, ich kann eine sehr gute Note schreiben. Auch für das Qualifikationsverfahren habe ich NUR mit diesen vielen Karten gelernt. Ich habe mir auch vorstellt, was das für die Praxis bedeutet und konnte so den Inhalt besser vernetzen. Es waren zwar sehr viele, dafür wusste ich, dass ich jede Frage beantworten kann, dies hat mir für die gute Abschlussnote weitergeholfen.

Diese Lernstrategie kann ich jedem weiterempfehlen, da man alleine mit dem Schreiben der Fragen und der Antworten sich die Karte bereits merken kann. Vorbereitet, aber nervös habe ich wieder das QV absolviert. Bei der Prüfung habe ich bei einer Situation leider vieles falsch gemacht. Bei der ABC-Analyse habe ich viele Fehler gemacht, ich wusste sofort, es wird nichts mehr mit der Ehrenmeldung. Dennoch habe ich bei den restlichen Aufgaben alles gegeben, um vielleicht doch noch die 5.4 zu erreichen. Traurig fuhr ich nach Hause, ein wenig Hoffnung war noch vorhanden. Im Juli 2021 bekam ich das EFZ Zeugnis, und es war «nur» eine 5.1. Alle aus der Klasse waren zufrieden, ausser ich. Mein Stiefvater Giuseppe Api ist zur dieser Zeit auch von uns gegangen, ich wollte auch für ihn eine weitere Ehrenmeldung holen, es hat aber leider nicht gereicht. Ich war sehr verärgert, denn ich war mir sicher, es hätte gereicht, wenn ich nicht diese eine Aufgabe verhauen hätte und das nur, weil ich einmal für zehn Minuten nicht konzentriert war, schade.

Ich kann jedem nur den Tipp geben: gebt euch Mühe in der Schule. Ich weiss, man hört dies oft, aber macht es wirklich. Viele junge Leute denken: «ja, nach der Ausbildung ist die Note sowieso nicht mehr relevant», vielen ist aber nicht bewusst, wie viel das einem wirklich bringen kann. Dank meinen guten Noten bin ich auch viel selbstbewusster und zielstrebiger geworden. Nicht nur in der Schule, sondern auch im Privatleben. Auch habe ich während der Ausbildung gelernt, wie man Keyboard spielt. Ich kann schon einige Lieder spielen. Des weiteren habe ich mich im Kraftsport extrem verbessert, ich konnte 20 Kilogramm Muskelmasse zulegen. Falls du mit der Ausrede kommst «ich habe keine Zeit zu lernen», das stimmt nicht. Ich habe in meiner Ausbildungszeit kein einziges Fussball-Training verpasst, war Fussball-Trainer von kleinen Junioren, bin trotzdem noch ins Fitness gegangen und habe noch Keyboard gelernt. Ein gutes Zeitmanagement ist der Schlüssel, um im Leben erfolgreich zu werden.

Ab Mitte August bis Ende Dezember 2021 darf ich noch bei der ewl bleiben. Ich werde ab Januar 2022 Zivildienst leisten. Eventuell darf ich sogar an der SwissSkills 2022 teilnehmen, dies wäre auch ein Segen für mich. Mein Ziel nach dem Zivildienst ist es, die Berufsmatura zu absolvieren. Solche Ziele hätte ich niemals gehabt, wenn meine Noten nicht so gut gewesen wären. Auch bin ich meinem Lehrbetrieb ewl unendlich dankbar – denn sicherlich darf ich auch meinem Lehrbetrieb meinen guten Abschluss verdanken. Mittlerweile bereue ich es gar nicht, dass ich zuerst die EBA-Ausbildung gemacht habe. Ich bin sogar froh. Ich hatte zwar ein Jahr länger als die anderen, bin aber sehr stolz, diesen Weg gegangen zu sein.

Ich bedanke mich bei meinem Lehrbetrieb, welcher mir auch Zeit zum Lernen zur Verfügung gestellt hat. Besonders bedanke ich mich bei meinen Berufsbildner Markus Baumgartner, der mich immer unterstützt hat. Auch bedanke ich mich bei meinen kompetenten Lehrpersonen Armin Nufer und Toni Mathis vom BWZ Obwalden und bei Lukas Hermann und Andreas Küng vom BBZW Emmen. Ebenso danke ich meiner Familie, die mir beim Lernen geholfen hat, dies vor allem meinen zwei Schwestern Valeria und Amanda. Auch danke ich meinen Freunden, die immer auf meiner Seite standen.

Autor Doriano Agner,  Logistiker EFZ / Quelle: Bulletin ASFL SVBL Winter 2021

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