STR Online ordnet in der dreiteiligen Serie «Wasserstoff im Strassentransport: Chance oder Luftschloss?» die aktuellen Erkenntnisse über Potentiale und Probleme des alternativen Treibstoffs ein. Heute mit der Frage: Ist der momentan produzierte Wasserstoff wirklich «sauber»?
Hersteller wie Solaris und Hyundai kündigen regelmässig neue Wasserstoff-Fahrzeuge an. Auf der anderen Seite hält das deutsche Fraunhofer Institut die Technologie im Vergleich zur Elektromobilität für chancenlos. Die Experten sind sich nicht einig. Und viele Fragen zum Einsatz von Wasserstoff im Strassentransport gilt es noch zu beantworten. STR Online klärt in drei Teilen die wichtigsten Punkte. Heute: Wie grün ist der alternative Treibstoff wirklich?
Wasserstoff ist nicht immer grün
Wirklich sauberer Wasserstoff ist in Europa noch rar. Experten kategorisieren den Treibstoff in drei Farben: Grau, Blau und Grün. Gemäss Solaris, dem grössten europäischen Hersteller von Bussen mit alternativen Antriebstechnologien, fällt nur gerade ein Drittel des in der EU hergestellten Wasserstoffs in die Kategorie Grün, ist also zu 100 Prozent emissionsfrei. Blauer und grauer Wasserstoff verursachen bei der Produktion CO2. Der Verbrauch, also das Fahren, ist aber mit der Wasserstoff-Brennstoffzelle auch bei diesen Kategorien emissionsfrei. Und es gibt Stimmen, die die Nutzung von grauem oder blauem Wasserstoff für die Übergangsphase als nötig erachten. Denn die Produktion von grünem Wasserstoff wird auch mit einem Ausbau die steigende Nachfrage der nächsten Jahre nicht befriedigen können.
In der Schweiz
Im Gegensatz zur EU ist die Produktion von Wasserstoff in der Schweiz zwar auf tieferem Niveau, dafür umso «sauberer». Es ist nämlich fast nur grüner, emissionsfrei hergestellter Wasserstoff erhältlich. Die Fahrzeuge mit der alternativen Antriebstechnologie sind hierzulande also sauberer unterwegs als ihre Verwandten auf den europäischen Strassen. Dies schlägt sich aber auch im Portemonnaie nieder: Die Preise in der Schweiz sind aufgrund der grünen, teureren Produktion (noch) ein gutes Stück höher als beispielsweise in Deutschland.
Fazit: Nur ein Drittel des Wasserstoffs in Europa ist aus der Kategorie «Grün» und zu 100 Prozent «sauber», auch in der Produktion. Grauer und Blauer Wasserstoff, die bei der Herstellung CO2-Emissionen verursachen, machen den Grossteil aus. Einige Experten halten die Nutzung dieser Kategorien als Übergangslösung aber für notwendig. In der Schweiz ist fast nur Grüner Wasserstoff erhältlich, der zwar wirklich emissionsfrei, dafür aber auch teurer ist.
Quelle / Text: awi / Fotos: ASTAG